Von wilden Herzen, klugen Köpfen und der Lust am Experiment.
Cordelia Lehmann-Reinthaller
Ein Gehirn aus Keramik. Eine Denkerin mit Haltung. Eine Großmutter mit wildem Herzen. Und irgendwo ist auch noch eine Schraube locker. Oder eben nicht.
Cordelia Lehmann-Reinthaller nimmt sich die Freiheit, die Dinge auf ihre eigene Weise zu betrachten. Ihre aktuellen Arbeiten aus den Jahren 2025 und 2026 bewegen sich zwischen Keramik und Papier, zwischen Figuration und Abstraktion, Ernsthaftigkeit und hintergründigem Humor.
Neun Skulpturen und sechs Papierarbeiten eröffnen Einblicke in eine künstlerische Welt, in der Gedanken Gestalt annehmen, Erinnerungen zu Farbkompositionen werden und vertraute Formen überraschende Wendungen erfahren.
Keramik. Wenn das Feuer mitgestaltet.
Ton lässt sich formen, drücken, biegen und modellieren. Doch spätestens im Brennofen entwickelt das Material seine eigene Dynamik.
Lehmann-Reinthaller nutzt dieses Spannungsfeld zwischen bewusster Gestaltung und unvorhersehbaren Materialreaktionen. Besonders in ihren Arbeiten mit der japanischen Raku-Technik entstehen expressive Oberflächen, eigenwillige Proportionen und ungewöhnliche Farbwirkungen.
Da wird ein Gehirn zur zerklüfteten Gedankenlandschaft (The Brain), ein Psychiater zum rätselhaften Gegenüber (The Psychiatrist) und eine Denkerin zur keramischen Hommage an Hannah Arendt.
Die 2025 entstandene Skulptur Die Denkerin erinnert an die Philosophin, deren Todestag sich damals zum 50. Mal jährte. Ein aktueller Verweis auf eigenständiges Denken, Reflexion und persönliche Verantwortung.
Und dann wäre da noch Keine Schraube locker. Ein Titel, der ebenso zum Schmunzeln wie zum Nachdenken einlädt.
Papier. Wenn Linien Geschichten erzählen.
Auf Papier wird die Künstlerin nicht unbedingt leiser, aber anders.
Mit Öl, Tusche, Farbstift und Blattgold entwickelt sie Kompositionen zwischen expressiver Geste und geometrischer Ordnung. Was im Ton körperlich und räumlich erfahrbar wird, verlagert sich hier auf das Zusammenspiel von Farbe, Linie und Zeichen.
Das wilde Herz der GroßMutter entfaltet ein temperamentvolles Geflecht aus Rot, Gelb und dynamischen Bewegungen. Einander zugewandt setzt auf geometrische Strukturen, kräftige Kontraste und goldene Akzente.
In ErinnerungsZeichen, Symmetrien und Distel treffen organische Anklänge auf abstrakte Formen. Mal behauptet sich eine klare Ordnung, mal scheint sie sich wieder aufzulösen.
Dabei geht es um mehr als formale Experimente. Beziehungen, Erinnerungen und die Frage, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, schwingen in den Arbeiten mit.
Mensch. Natur. Denken. Transformation.
Der Mensch
Identität, Beziehungen, Erinnerung und Bewusstsein
Die Natur
Organische Formen, Wachstum, Veränderung und Vergänglichkeit
Das Denken
Reflexion, Philosophie und die Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart
Die Transformation
Brüche, Spannungen und neue Verbindungen – sichtbar in Material, Form und künstlerischem Ausdruck
Vier Themen, eine Entwicklung.
Vier Themen ziehen sich als verbindende Bezugspunkte durch die Arbeiten.
Besonders anschaulich wird die Transformation in Sich verbiegend. Eine goldene Linie durchzieht die keramische Form und erinnert an die japanische Kintsugi-Tradition, bei der Bruchstellen nicht verborgen, sondern bewusst hervorgehoben werden.
Keine festgelegten Werkzyklen, sondern unterschiedliche Perspektiven auf eine zusammenhängende künstlerische Entwicklung.
Tradition trifft Gegenwart.
Österreich besitzt mit Manufakturen wie Augarten und Gmundner Keramik eine lebendige Keramiktradition. Doch zeitgenössische Keramik ist längst mehr als kunstvolles Handwerk oder dekoratives Objekt.
Lehmann-Reinthallers Skulpturen behaupten sich als eigenständige Kunstwerke. Sie beanspruchen Raum, verändern ihre Wirkung mit dem Blickwinkel und treten in Beziehung zu ihrer Umgebung.
Ihre langjährige Beschäftigung mit Raku und die gemeinsamen Japan-Aktivitäten mit BURN-IN eröffnen darüber hinaus einen interkulturellen Dialog zwischen Material, Ästhetik und künstlerischer Interpretation.
Kunst, die Räume prägt und Gespräche eröffnet. Ob in privaten Sammlungen, Unternehmen oder öffentlichen Räumen – keramische Arbeiten können Identität vermitteln, kulturelle Akzente setzen und neue Perspektiven eröffnen.
Und die Papierarbeiten? Sie erweitern das künstlerische Spektrum, ohne mit der Keramik konkurrieren zu müssen.
Zwei Medien also. Und eine Künstlerin, die sich nicht auf eines festlegen lässt.
Die neuen Werke
Entdecken Sie die neuen Arbeiten.
Ob für private Sammlungen, Unternehmen oder besondere Raumkonzepte – BURN-IN begleitet Sie mit persönlicher Beratung, kuratorischer Expertise und individuellen Kunstlösungen.
